wer das Sagen hat, muss frei reden können

wer das Sagen hat, muss frei reden können

Was ist Tradition?


Tradition ist,sagt G.Chesterton, die "Demokratie der Toten". Das bedeutet wohl auch, dass man in bezug auf Neuerungen die Toten danach fragt, wie sie ohne jene ausgekommen seien und was sie davon etwa halten. Bei den Toten kann man auch die ganz Großen erwählen, ihre Sprechzeiten sind unbegrenzt jetzt und man braucht weder Wartezeiten in Kauf zu nehmen, wie bei den lebendigen Wichtigheimern, noch befürchten, unterwegs von Reportern oder Fotografen belästigt zu werden.

Ich pflege diese Unterredung mit den Toten manchmal im Übermaß,ich muss mich zwingen, von Zeit zu Zeit den Aktualitätenmarkt, den Flohzirkus des Zeitgeistes, zu besuchen. Sonst begegne ich mir im Traum als bereits Verstorbenen.

Aber oft ist es auch so, dass ich irgendwo sitze, weil ich eingeladen bin und mich bald langweile und den nächsten Ausweg nutze, um heim zu eilen das Gespräch mit wesentlich interessanteren Partnern im Totenreich zu suchen. Das verstehen gerade die Techniker von heute gar nicht, die auf die einzige Zukunft der Technik ausgerichtet und gespannt sind. Techniker kennen Tradition nur als Verfallswort, als Begriff für die Katz.


Ich verstehe allmählich, was Chesterton unter Tradition und Demokratie der Toten versteht.
Im Jenseits gibt es sehr große Geister, aber keine Quoten, keine Redakteure und keinen Massengeschmnack. Das ist das äußerst Angenehme dort. Es ist still, man hört plötzlich wieder etwas.










Christian Lindners Rede heute am 8.Dez.2013


Christian Lindner, der neue Chef der Liberalen, hat heute eine sehr respektable Rede gehalten. Er hat eine Sprache gefunden, die wohltuend klar war, vergleicht man sie mit den alten Dampfplauderern der FDP, die man sonst, vor allem im letzten Wahlkampf, gehört hat. Er machte in einigen Punkten klar und für jeden verständlich,was die Liberalen von den übrigen Parteien unterscheidet.


Die Priorität bei den Liberalen liegt nicht wie bei allen anderen Parteien in der Parole Gerechtigkeit, also Gleichheit für alle, sondern eindeutig, er betonte das mit kühlem Pathos, in der Idee der Freiheit für den Einzelnen. Der freie Bürger soll aber nicht vom Staat lebenslang betreut und gepampert werden, sondern sozialpolitisch in den Stand gesetzt werden, sich selbst zu helfen, durch eigene Initiative aus dem Gröbsten herauszukommen. Diesem Ziel müsse eine liberale Partei dienen, nicht der Gleichmacherei. Das bedeutet Abbau der Bürokratie, weniger Missbrauch des Staates als Instrument der Macht, Stärkung des Einzelnen. Konkret kritisierte er die falsche Bildungspolitik, die zum Beispiel die Lehrer in ihren Möglichkeiten beschränke, selbst den Unterricht zu gestalten, um sie wie in den beklagenswerten Einheitsschulen dauernd zum Befehlsempfänger ministerieller Vorgaben und Vorschriften zu machen. Die Gleichheit als Denk-Muster verhindert die Bildung, fördert sie überhaupt nicht. Abitur für alle ist für ihn außerdem ein vollkommen falsches Ziel. So schwächt man die Starken und macht die Schwachen noch schwächer, sagte er mit Emphase. Auch in der Energie-und Europapolitik sprach er Klartext. In Europa möge man sich auf die genuin europäischen Themen konzentrieren, wie Kontrolle der Finanzmärkte, Energiepolitik und Datensicherheit. Den anderen Stoff wie Frauenquoten, Glühbirnen- und Staubsaugerfragen solle man gefälligst in den regionalen und nationalen Parlamenten und Entscheidungsgremien belassen. Ganz entschieden sagte er der Ausspähung aller Daten durch unsere amerikanischen Freunde den Kampf an. Wer in allen Schlafzimmern herum schnüffle, sei kein Freund, sondern der Feind eines wesentlichen Grundrechts der privaten Existenz, das die Liberalen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen müssen. Denn nur in totalitären Regimen falle öffentliches und privates Leben erzwungenermaßen zusammen. Freiheit rangiere grundsätzlich vor dem Bedürfnis nach Sicherheit. Hier flocht er einen kurzen Exkurs ein und polemisierte mit Witz gegen die „Supersicherheit“ des Herrn Friedrich, des amtierenden Innenministers. Die Sicherheit des Bürgers sei allerdings mit Maß und Kompetenz zu gewährleisten und zu verteidigen. Er akzeptiere die Kapitulation vor sog. rechtsfreien Räumen, wie sie Berliner Staatsanwälte und Polizeibeamte vor laufenden Kameras eingestanden hätten, weil sie sonst Angst um ihr eigenes Leben haben müssten, auf gar keinen Fall. Eine offene Gesellschaft dürfe sich niemals dem Faustrecht Krimineller oder politischer Fanatiker unterwerfen. Die Rede Lindners war die eines modernen Citoyens, aufrüttelnd, klar und allgemein verständlich. Man konnte ihm zuhören, ohne von den üblichen Moral-Phrasen erschlagen und ermüdet zu werden, wie das sonst leider meistens der Fall ist. Dazu beherrscht er die rhetorischen Regeln und Tugenden im Deutschen.





Die Hochsprache Deutsch


Wenn hinter einer Biomarke handfeste Betrüger ausgemacht werden, dann schreien sie eine Woche lang auf, dann jaulen die Medien wie gezähmte Hyänen. Wenn sie aber am Deutschen herumschrauben, hält sich der Protest in engsten Grenzen. Dabei wissen wir doch ganz genau, was Goethe oder ein Jakob Grimm zu dem Übergriff auf die Semantik gesagt hätten, etwa bei der geschlechtspolitischen Idiotie der „Studierenden“. Ein Verbrechen an der deutschen Sprache.

Aber die großen Toten dürfen nicht mehr mitreden, ganz gegen Chestertons Maxime: In einer Demokratie haben auch die Toten ihr Stimmrecht.

Aber nicht genug damit, dass sie die Wortbedeutungen verwässern, schräge Metaphern in Umlauf bringen, wie diese dämlichen„Augenhöhen“, wo sie Fußball spielen wollen, Verhandlungen führen und miteinander ins Bett gehen.

Nein sie betonen allmählich auch alles falsch,was man nur falsch betonen kann.

Rundfunkprofis wie Werner Höfer oder Peter von Zahn packte das Grauen.

So erzählt uns die Moderatorin nicht etwa, im beiläufigsten Ton, den sie nur hat, dass sie eine Sendung gemacht haben, nein sondern: als wir eine

Sendung

, sie bleibt eine Überstunde auf diesem Wort hängen, als sollte man es auswendig lernen, und dann nochmal gemacht

haben

.

Wir

eine

Sendung

gemacht

haben

.

Das klingt türkisch, nicht mehr deutsch. Die Moderatorin betont wieder eine Viertelstunde das Verb haben. Das klingt so künstlich, so manieriert, dass es weh tut, dass man den weiteren Inhalt nicht mehr verstehen will.

Die deutsche Rhetorik ist im Eimer. Dass die Bayern damit immer ein bisschen besser abschneiden, liegt daran, dass sie sich stark auf den Dialekt stützen. Das tun die Übrige nicht, sie versuchen gleich zu reden, wie man schreibt,

Schriftdeutsch zu sprechen.

Mit typischen Büroklauseln wie „zunächst einmal“- das bringt immer Zeitgewinn. Hochdeutsch ist eine Bühnensprache, darum ist die deutsche Rhetorik so schwer zu schaffen, so selten, so quälend lang meistens.-

Die Medien versuchen das steife Schriftdeutsch etwas aufzuweichen, aber sie wissen auch nie, wie sie das Hochdeutsche pflegen sollten. Sie haben alle nicht

Schiller

gelesen. Das merke ich sofort.Sie werden gerne flott, scheuen nicht von den Frivolitäten der Jugendsprache zurück, so dass ein seriöser Beamter und Polizeipräsident im Fernsehen plötzlich von einem „No go“ spricht.

Nur ganz selten sind in den Medien besondere Gäste zu hören, die der Bühnen-Hochsprache Deutsch noch mächtig sind.

Johannes Gross war solch einer, leider musste er schreiben, um zu überleben, Journalist sein, sein Bestes gab er schriftlich in seinen Aphorismen. Eigentlich aber war er ein Redner. Auch Ratzinger spricht die Bühnensprache, wo Pathos und Bedeutung auf einer Höhe sich verschwistern. Gauck redet von zu kleinen Dingen, als dass sein Pathos so hoch sein dürfte. Und von der hohen Freiheit kennt er fast nur ihr Pathos.

Nein, Konfuzius hat recht, wenn Willkür in den Wörtern herrscht, fällt alles zusammen, trifft das Recht nicht, gedeihen Moral und Kunst nicht, kommen keine Werke zustande.






9.2.13- Rhetorik und Politik


Auch ich arbeite an meinen Erinnerungen, aber nicht als bedeutender Zeitzeuge wie Helmut Kohl oder Willy Brandt, sondern eher als Straßenkehrer in der provinziellen Ferne. Aus der Rand -Perspektive sieht das große Spektakel größer und kleiner aus, als es ist. Als Stoff ist es gewaltig und beschäftigt sofort alle Gemüter. Wie diese dann den Stoff verarbeiten, das macht den großen Hype dann wieder sehr klein. „ Hast du gehört die Merkel soll sehr eng mit der Schavan sein, aber nur die Schavan ist lesbisch, die Merkel nicht.“ Hier werden die Staatsfrauen aufs Friseurinnenniveau herunter geholt. Wie üblich kann sich der normale Mensch alles Größere auch nur ganz normal vorstellen. Die Komödie der Demokratie, die alle scheinbar so verdammt ernst nehmen.


Ich erinnere mich, dass ich in Westberlin einmal Helmut Kohl mit einer Volks-und Touristengruppe an einer Currybude sah in Kuhdamm-Nähe, er hatte eine ganze Schar pflälzischer Mittelständler in seinem Tross, auch jede Menge Berliner stand um Kohl herum,- da begriff ich erst, warum Kohl gewählt wurde, warum er so populär war. Er trank Bier und lobte die Currywurst in der BZ, da konnte er auf das ganze feine Essensgetue natürlich verzichten. So begriff ich auch seine Rhetorik, denn er servierte Hausmannskost auch in seinen Reden. Um seine Ehrlichkeit zu beweisen, benützte er immer wieder die Formel: „offen gestanden“ Seine Arbeitsweise verglich er immer wieder mit den Hausaufgaben der Schüler.


Politik hat keine Chance, dem Schauspielcharakter ihrer Dauerpräsenz zu entgehen. Laien sind auf dieser Bühne nicht minder gefragt, als die Profis des Showbusiness. Gerd und Joschka waren geborene Entertainer, sie tranken demonstrativ Rotwein, rauchten teure Zigarren, sogar in der Konferenz mit iranischen Mullahs rissen sie Witze und zitierten Hegel,Marx&Engels. Sie trugen schicke Anzüge aus der Toskana, sahen und drehten sich im Spiegel und waren überhaupt kundige Fußballverehrer.


Aber siehe da, das stink-normale Volk verstand das gar nicht. Es reagierte darauf kaum. Inzwischen haben wir einen betont nüchternen Stil der Frau Merkel, die den breiten Phrasenschatz der Hochpolitik um einiges kürzte und das ganze Pathos lieber dem Präsidenten Gauck überlässt. Der macht das gerne, schreitet mit Inbrunst Militärparaden ab im Zeichen des Friedens.

Er kann das in alter Frische, er spricht wie ein Germanist und hin und wieder in der Körpersprache Günter Netzers.

Gauck bringt aber durch seine Verantwortungsprosa immer wieder Emotionen in seine Predigt, die Stolz, Bürger- und sogar Vaterlandsnähe erahnen lassen. Den anderen, grelleren Hauptton der emotionalen Rhetorik haben die Grünen gepachtet. Sie eroberten inzwischen einige Hauptabteilungen in der verwalteten Gesellschaft und garnieren die Büros dort mit gesundem Gemüse, Strohblumen und hübschen Bildern aus der dritten Welt.


Ich erinnere mich gut, wie das alles angefangen hat. Wie Willy Brandt als erster mit den neuen Wilden einen Diskurs versuchte, Theo Sommer von der Zeit saß dabei und der Böhme vom Spiegel. Helmut Schmidt indes und Helmut Kohl fanden den ganzen Unsinn abscheulich. So fing es an, heute sind die alten Rednertribünen verwaist, im Bundestag finden laufend Filmaufnahmen über die 50er und 60er Jahre statt, kaum mehr Parlamentsdebatten, die das Volk aufregen könnten. Die Medien haben neue Redner-Nischen eingerichtet, mit neuen Regeln eines Zeitlimits pro statement. Die Politiker, ob groß oder kleiner, sitzen im Studio auf weichen Sesseln und warten ab, bis sie von einer attraktiven Fernsehlehrerin aufgerufen werden, jeweils mit einer Frage, die sie dann in genau 3 Minuten platzieren können. Das ist alles abgesprochen, vorher streng eingeübt. Dem prominenten Politiker steht heute ein ganzes Trainerteam zur Verfügung, neben dem Ghostwriter sind der Mentaltrainer, auch der Körpertrainer und die Dress& Mimikspezialistin im Hintergrund tätig. Der Ghostwriter schiebt immerzu Zettel in die Performance seines Kunden, mit neuen Stichworten und Metaphern wie die Gerechtigkeitslücke, den Medienschutzschirm, den Haushaltsanker, das obligatorische Frauenlob und die Augenhöhn.


Nach den live acts wird auf Videos genau analysiert, wo der Gegner taktisch besser war und wo wir unsere Selbstpräsentation noch verbessern können.

Die Politik ist Sport geworden. Wichtig sind die Sturmspitzen, aber auch die Spieler , die plötzlich das Tempo aus dem Spiel nehmen können und dabei emotional noch das Herz der Masse erreichen, - das sind tragende Säulen des Spektakels. Das ist die Kunst. Das Theater hat kapituliert, zwischen Fernsehen und dem Spektakel der Politik darin, kann es mit seinen ehernen Klassikern keine Aufmerksamkeit mehr gewinnen.

Aus dem Netz dringt das Du in alle Sphären, auch der Schmäh und die wilde Polemik. Das Internet ist wie die Waschmaschine, aus der die weiße Wäsche oft bunt gefärbt wieder herauskommt.

Wir leben mitten in einem Umbau, aber wir kennen die Pläne nicht, weil viele führende Architekten noch zur Stunde im Schutz der Anonymität arbeiten. Leider.




10.Januar 13


Viel Lärm um Wowereit


Dabei bildet die Phrase der Verantwortung wieder einmal die größte Schaumkrone. Solange bis die Worthülse zerplatzt und nur noch für den Sprachabfall taugt.

Wowereit- liebevoll Wowi genannt – hat zweifellos viel Mist am ruinösen Flughafen angebaut. Dafür übernehme er aber persönlich die Verantwortung, sagt er. Was bedeutet das?

Wowi sagt: „Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, das man sich aus der Verantwortung herausstiehlt.“ Sondern? Nichts weiter. Aha, wissen wir jetzt mehr? Nein. Deshalb wählt er die beste Verteidigungswaffe und greift seinerseits an: Der Opposition gehe es doch gar nicht um den Flughafen, sondern um eine Generalabrechnung. Die Opposition leidet doch unter einer Profilneurose, Leute.

Das ist wohl auch wahr, denn wer kennt die Opposition schon mit Namen? Kein Schwein, salopp im Medienjargon mal dahin gesagt. Da ist die Gelegenheit doch günstig, sich aller Welt bekannt zu machen. Aber Wowi setzt nach. Berlin sei durch seine Verdienste „so attraktiv wie seit ewigen Zeiten nicht mehr“. Berlin habe eine „riesige Ausstrahlungskraft“. Ewige Zeiten, riesige Ausstrahlungskraft, das klingt doch enorm, denkt er wohl. Natürlich, wir alle erinnern uns an seinen Slogan: „Berlin ist arm aber sexy“. War die grüne Opposition jemals so sexy und hat einen solchen PR-Slogan vom Stapel gelassen? Natürlich nicht. .


Mit viel Getöse will die Opposition aus Grünen, Linken und Piraten den Regierungschef stürzen. In ihrem Misstrauensantrag gegen den Bürgermeister begründen Grüne und Piraten, das Vertrauen der Berliner in die Handlungsfähigkeit eines Senats mit Wowereit an der Spitze sei „irreparabel erschüttert”.

Mann oh Mann, oh Frau - das sind ja rhetorische Luft-Hämmer. Wowereit habe der Stadt mit der neuerlichen Verschiebung des Flughafen-Starts „schweren Schaden zugefügt und Berlin national wie international in Verruf gebracht“. Dann folgt wieder die Gaga-Phrase der Verantwortung. Wowereit weigere sich die politische Verantwortung zu übernehmen. Wieso denn politisch, wenn er doch sogar persönlich für seinen Mist einstehen will. Was immer das Wort persönlich bedeuten mag. Es klingt irgendwie fast schon wieder sexy.

Freilich, so kommen wir Zuschauer keinen Zentimeter voran.

Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, steigerte sich deshalb in eine schäumende Wut-Rede.

„Herr Bürgermeister, ihre fehlende Einsicht zwingt uns dazu, diesen Antrag einzubringen. Was wir Ihnen vorwerfen ist, dass Sie sich weigern, die politische Verantwortung für Ihre Fehler zu übernehmen.“ Und weiter: „Wir merken, wie sich die ganze Welt über unseren Flughafen lustig macht und das tut weh.“

Mag sein, aber wir weinen dennoch nicht um Berlin, wo vor ewigen also noch zu Kaisers Zeiten eine Idiotie auf die andere folgte.

Ramona fasste ihren lauwarmen Wutschlager zu dem Refrain zusammen : „Herr Wowereit, Sie haben schweren Schaden über unsere Stadt gebracht!“

Naja, solche Rhetorik reißt niemand vom Hocker, mag der Mist auch noch so groß sein. Doch auch die Piraten bringen kaum Sahne mit Donner auf die Beine:

Piraten-Fraktionschef Andreas Baum warf Wowereit vor, das Flughafenprojekt verkomme unter Wowereits Führung zu einer Bauruine. Und dann auch er wieder mit der Phrase der Verantwortung.

Kurz: Die Semantik dümpelt um den Nullpunkt herum.

Zugegeben: Man sähe Wowi ja ganz gerne im Abflug. Aber gegen solche Gegner, die so wenig sexy zu reden verstehen? Lieber nicht.

Wozu der Lärm also um nichts? (Shakespeare)

Wowereit braucht mindestens 75 der 149 Stimmen, um im Amt zu bleiben. Schafft er leicht, da die Oppositionsfraktionen zusammen nur 63 Stimmen haben. Eine Niederlage des Regierenden ist also doch ganz unwahrscheinlich. .

Wowi mag ein Mistbauer sein, seine Opposition aber ist auch nicht mehr als eine Flaschensammlung.




23.12.2012


Martin Rivoir (SPD) – sein Unglück als Redner


Man glaubt es nicht,was man schon für Unfälle beim Reden erlebt hat. Jenninger, Walser, Stoiber, Oettinger. Diesen hat man postenmäßig schnell noch nach Brüssel hinauf schieben können, um seine rednerische Blöße vor uns zu verdecken.
Die politische Klasse scheint einen unbewussten Hang zum Saukomischen nicht ganz verdrängen zu können. Sie reden mit einer Inbrunst Unsinn und alten Käse daher, dass man an der Demokratie und ihren Wählern verzweifeln könnte. Was haben wir gelacht über die endlosen Bandwurmsätze Stoibers, wie haben wir gestaunt, als wir nach dem Abgang des treuherzigen Erwin Teufel plötzlich einen Aufstreber namens Oettinger erleben mussten, dessen geistige Unbedarftheit und Hirnleere wirklich schockierend war.

Heute in Brüssel spricht er ja englisch, das ist gewiss für native speakers auch eine Pein. Aber da entschuldigt man ihn halt, er ist eben sprachlich unbegabt, war schon in der Schule in den Sprachen eine Flasche, er tut sich eben schwer, dafür ist er fleißig beim Aktenverdauen.

Nun möchte ich meinen Kritikern einmal deutlich sagen, Sie irren. Ich bin weder Zyniker noch bin ich ein Verächter des Provinziellen. Es ist die deutsche Grundfarbe überall, selbst in Berlin tut man sich äußerst schwer mit dem Deutschen. Oder hat man Wowi noch nicht reden gehört, den sexy man?

Zur Provinz zurück: Seit Jahren schon schaue ich immer wieder, zwischen meinen Tages-und Nachtgeschäften, am virtuellen

Wirtshaus des Donaufisch

vorbei, der mir oft viel besseren Stoff liefert, als die armselige

Südwestpresse

, der längst das Pulver ausgegangen ist, sogar das Salz. Die Lektüre ist nur noch saufad und man muss die drögen Artikel oft zweimal schütteln, bevor man ihren lächerlichen Kern herausfieseln kann, wie das Fleisch von einem dürren Gockeler. .

Der Donaufisch

dagegen scheut sich nicht, gelegentlich sogar satirische Saiten anzuschlagen. Er hat darin als Literat oft mehr Talent, finde ich, als in seinen links-politischen Predigten. Da ist er mir zu pädagogisch, aber das ist schließlich Geschmackssache. Jedenfalls hat er jetzt eine Rede, ( aber kann man das überhaupt Rede nennen?), abgefangen, eine Nonsens Geschichte, die der Landtagsabgeordnete und Ulmer Stadtrat

Martin Rivoir

wohl von sich gegeben hat.

Er bezog sich dabei irgendwie auf das Bibel-Zitat :Matthäus 6,19-21

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.


Martin Rivoir: „...und des is für mich sozusagen, wenn ich es so betrachte in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise – sag ich mal – eine Handreichung oder eine Aussage, die durchaus auf viele Bereiche – äh – in unserem, in der Politik, aber auch in der Finanzwelt im Moment zutrifft, also die Mahnung, nicht gierig zu sein, sondern mit Menschlichkeit, mit Barmherzigkeit, mit Gerechtigkeit umzugehen, nicht die gewaltsame Auseinandersetzung auch gerade im Wirtschaftsbereich zu suchen, sondern Solidarität walten zu lassen...“

Gegen das Ende hin werden die Satzbrocken etwas verständlicher, evangelisch gefärbt sozsuagen, wenigstens kirchentagslogisch. Dort wird man auch nicht mehr bloß zur Barmherzigkeit aufrufen, sondern diskutieren, wie man heute mit der Barmherzigkeit umgeht. In dieser Wendung ist Rivoir beinahe schon in die Augenhöhe des Medien-mainstreams hinaufgeklettert.
Aber wovon ist hier eigentlich die Rede?

„...und ich denke des isch ein Bibelzitat, des gerade in der heutigen Zeit – in die heutige Zeit passt – äh – wie ich sowieso jetzt beim Lesen oder beim Suchen, beim Schmökern in der Bibel – geb ich gerne zu, dass ich des nicht jeden Tag mache –„

Er denkt an das Bibelzitat, an Matthäus, obwohl Bibellesen nicht gerade sein täglicher Spaß sein kann, das gibt er zu, immerhin, er ist mehr Krimifan, und was sagt er sonst noch, weiter: .

„ auf Anlass zur Vorbereitung auf dieses Interview ja durchaus des ein oder andere gefunden habe, was man sozusagen im alltäglichen Leben auch verwendet an Zitaten und des is einfach interessant und toll wie die Bibel mit Zitaten , die heute alltäglich sind – auch verwendet werden schon vor den vielen, vielen Jahren sozusagen uns einen Weg gewiesen hat. Ja...“


Ach ja, er spricht gut vorbereitet. Er findet es super, würde ich als Germanist hier interpretieren, er will sagen, wie die Bibel mit ihren eigenen Zitaten umgeht, das passt schon.

„ Und vielleicht kann ich auch so ganz aktuell unabhängig von diesem Zitat einfach noch mal auch so erzählen, dass ich jetzt gerade jüngst in Israel war und eben auch dann sehr viele Stätten – äh – gesehen hab, die in der Bibel natürlich vorkommen – mit meiner Tochter, die Abitur gemacht hat – und des war auch wieder nach einigen Jahren einfach ein tolles Erlebnis den Bezug, man erinnert sich auch an die Kindheit, an die Konfirmation, all die Dinge, wo man dann -äh – die Stätten und die Sachen auch behandelt hat und sich damit auseinander gesetzt hat“

Stätten und Sachen, herrje und das trotz des Abiturs der Tochter, der Bezug irgendwo:Israel und Konfirmandenunterricht, also da versteh ich jetzt nur noch Bahnhof, da wird’s dunkel, da droht wieder die totale Sinnfinsternis.
Ich zweifelte von Anfang an, war er besoffen, als er das Zeug los laberte? Ich recherchierte geschwind, rief an bei der SPD. Nein, davon wisse man nichts, ich könne aber sicher davon ausgehen, dass Martin Rivoir kein Alkoholproblem habe.

Um so schlimmer. Denn das Reden sollte der Rivoir ganz lassen, er sollte eher in den Hinterzimmern des Landtags beim Regaleinräumen, wo die Akten tagtäglich herein kommen, beim Meinungs- und Wareneingang, seine Karriere fortsetzen.
Oder er leistet sich einen Coach. Aber da müsste er schon tiefer in die Tasche greifen, einmal in der Woche bringt nichts. Denn er muss ja das Deutsche ganz neu lernen Nochmal. Ich meine sprechen lernen, der bloße Umgang mit dem Deutschen, den er bisher nur mühsam gelernt hat, genügt nicht, um als Star im politischen Rampenlicht sein Glück zu machen. ...










14.Juli 2012


Unfälle beim Reden

Eigentlich unbegreiflich, warum die großen und kleineren Chefs, deren Anzüge oft von "Boss" stammen, während ihre Restpersönlichkeit häufig ganz ins Wasser fällt, nicht mehr Geld für Reden und Rhetorik-Coaching ausgeben. Es ist ihnen doch sonst nichts zu teuer. Für eine tolle Party oder ein neues Auto dürfen es immer immense Sümmchen sein.

Sie ahnen wohl nicht, welchen Schaden sie durch dumme Reden anrichten können, für ihr eigenes Image, für den Ruf ihrer Firma und ihr Ansehen in der Gesellschaft, in der sie sehr gerne die Löwen mimen.


Dabei sind Unglücksfälle beim Reden bekannt genug geworden. Oettinger kostete ein solcher Unfall am Grabe Filbingers seinen Ministerpräsidentenposten, er musste auf einen Ruhejob nach Brüssel abgeschoben werden. War nicht mehr vorzeigbar, da er seinem Ghostwriter die törichte Order gab, die nationalsozialistische Farbe am toten Filbinger etwas abzuwaschen oder zu übertönen, denn sie ganz zu verschweigen oder zuzukleben, das könne man leider nie mehr. Ähnlich erging es Philipp Jenninger, der in der Frage des Holocaust beim Gedenken im Bundestag sich in fatale Betonungen des unsäglichen braunen Terrors verrannte. Bei ihm war es gar nicht der Redetext selber, er betonte nur leider alles völlig schräg und falsch, sodass die Zuhörer glaubten, ein Nazi sei auferstanden in ihm und redete nun das grausame alte Blech noch einmal.

Man verbrachte ihn noch in der Nacht in den Vatikan, wo er einen stillen Botschafterposten einnehmen durfte, jenseits der Öffentlichkeit. Auch Martin Walser, der Schriftsteller, verunglückte beim Reden coram publico in der Paulskirche. Er vergriff sich in schrecklichen Bildern und verlor so auf Anhieb ganze Heerscharen linksliberaler Leser und Fans. Ich könnte fortfahren und jetzt von Stoiber reden, von Kohl mit seinem Ehrenwortgetrampel undsofort.

Aber man muss gar nicht gleich in die oberen Chargen-Regale greifen, man kann sich auch in der nächsten Provinz umschauen und zuhören, was die Dampfplauderer im OB-Amt oder in den Bankvorständen alles für einen Unsinn verzapfen beim Reden, der ihnen nur massiv schadet. Ich persönlich zum Beispiel, wenn ich weiß, dass ein Bürgermeister hier an der Donau das Wort ergreift, ob er nun Gönner oder Czisch oder gar Noerenberg vom anderen Ufer heißt, verspäte mich spontan planvoll; auch anlässlich eines Festes oder Ereignisses, das mich sonst ein bisschen interessieren könnte. Mir tun die Ohren weh noch von den letzten Phrasenhochzeiten, die sie abhielten. Ich lese diese Haupt-und Staatsphrasen dann in der Zeitung und denke mir meinen Teil.


Nein.Sie ahnen es eben nicht, wie absurd das ist, wenn sie dem Volk, das ihnen gewöhnlich sehr gleichgültig ist, schön tun und sich als Populisten aufspielen wollen. Wie unzeitgemäß und alt-fränkisch sie dabei aussehen, sie wissen es nicht. Oft reden sie den Medienmist nach von den "Augenhöhen", von der "Authentizität" und "Nachhaltigkeit", ein Wort-Fetisch, den sie inzwischen alle gefressen haben. Für jedem Krämer einer Spielwarenhandlung, eines Computershops, einer Kneipe, ist das Geschwafel von der Nachhaltigkeit inzwischen unverzichtbar, "alternativlos" geworden, wie Frau Merkel gerne sagt..

Natürlich hört da kein Mensch mehr aktiv zu, es ist vertane Zeit und Müh.

Doch dass sie auf die Idee kämen, darum einmal einen Wortkünstler, - Künstler sage ich, nicht Friseur, auch nicht Professor,- zu bitten, er möge ihnen das Unkraut aus ihren Sätzen jäten, bis dahin vergeht noch eine unendlich lange Weile, fürchte ich.







12.Juli 12 

Der Werbefuzzi, ich und der Techniker.

Die Werbeleute mit ihren vielen Kursen zur freundlichen Kundenansprache haben sich in letzter Zeit auf "Entdeckungen" spezialisiert. Immer mehr Firmen schreiben mich täglich an, per mail natürlich. Mich mit dem Vornamen anredend kommen sie direkt zur Sache. Ohne zu zögern, springen sie dir mitten ins Mitühlporzellan und schreiben: "Entdecken Sie was wir extra für Sie..und soweiter extra tja, eigens wäre schöner find' ich, aber das versteht kein Schwein mehr, sagt der Werbeleiter Herr Prof.Schneider. Er gibt Deutsch im ZDF. Eigens klingt negativ, Eigentum-polarisiert sofort. . Ich bin bei der Gewerkschaft, fällt sogleich ein ganzer Quoten-Stamm vom Glauben ab, "verstehen Sie", so Prof Schneider:" so fühlen doch die Leute, also: extra, ein Extrahurra..."

Sie denken für einen, sorgen für einen, wünschen einem das Allerbeste: Vermögen, Gesundheit und Sonnenschein. Du denkst sofort an die Musik von Roger Withacker oder Klaus Lage zurück. . Oder Sie kommen dir mit der Frage: "Haben Sie schon entdeckt, was wir--" und dann wieder die Firma nennen, klar.

Alles gut und schön, die Wortmoden der Webe-Industrie sind selten pikant, meistens langweilig. Das ist eben das Realitätsprinzip, sagen die Springerleute, sagt selbst Burda, sagt selbst Guido Marktwort, einer der Wortführer unter den Meinungsgewaltigen.

Aber soviel steht fest, so lässt Eugene Ionesco seinen Herrn Wisser in den Nashörnern oft sagen: : „alles gut und recht, ich verstehe die Probleme der schweren Kommunikation mit einer großen Bevölkerungsbreite. Nur was mir dann doch etwas sauer aufstößt ist, wenn ich direkt---“

"Hallo Kundennr. 920- ".....also das finde ich, obschon ich weiß, es wird alles noch viel lockerer werden, die Zukunft wird noch viel lockerer werden, auf alle Fälle.

Gut, man muss hier sicher keine Dramatik reinbringen, es ist alles viel banaler, der sog. Computer tut mit den Nummern leichter und es verursacht so weniger Kosten.

(Jetzt hätte ich doch beinah geschrieben „der Computer tut sich“, als hätte er auch ein überflüssiges Ich .. wie wir, die so schwer daran tragen.)

"Das ist nie persönlich gemeint,wenn dich der Computer, wie du sagst,"

"Moment, halt wie sagst du denn?"

Ich sage: „ der Rechner, aber der spricht dich nie persönlich an. Weil es für diese persönliche Qualität keine eindeutigen Zahlenwerte gibt...“

So tröstete mich mein alter Freund, der lange als Ingenieur tätig war und viel im Ausland herum gekommen ist und also Vergleiche kennt.

Natürlich, dachte ich mir, wie naiv bist du, glaubst du könntest da irgendwie

persönliche Eitelkeiten ins Spiel bringen? Du hast sie nicht mehr alle. Persönlich angesprochen werden in einer Sache. Nein, stopp. Keine Sache.

Du kannst nicht eines Teils deinen Spaß haben wollen mit den Werbefuzzis der Sprache, und dann, wenn dich der Spuk selber trifft, beleidigt tun.

Ja, so gehen die Geschichten oft ganz plötzlich aus.










2. Juli 2012 - Matthias Sammer zu Bayern oder die Hochkultur des Siegens


Das passte. Das war die richtige Pointe, mitten hinein in die allgemeine Tristesse wegen unserer Nationalelf. Es war der Hammer, mit dem Uli Hoeness alle Fußballfans aufweckte und überrascht hat.

Denn Hoeness brauchte einen "Feuerkopf" wie Sammer, der ehrgeizig ist, den Erfolg will und sich nicht anstecken lässt vom allgeneinen Wellness-Feeling: Hauptsache wohlfühlen. Wir fühlen uns eben nicht wohl bei Bayern,wenn wir nicht Erster sind, und nicht in jeder Saison mindestens 2 Titel holen, denn manches Mal schon holten wir alle drei. Dieses höchste, beste Wohlgefühl war zuletzt nicht mehr da. Also musste Sammer kommen, der Beste, der die neuen Tugenden modernen Spiels beherrscht, aber auch die alten Tugenden vom Kampf und der Härte noch kennt. Und zwar aus dem FF. .

Sammer kommt heute zu Bayern, Kritik ist gefragt, einer der das Siegergen hat und es weitergeben kann. Das hofft zumindest Uli Hoeness, der sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Der Uli hat keine Furcht vor erstrangigen Leuten, da er selber ein solcher ist, es ist ihm ganz recht, wenn Sammer Schwierigkeiten macht, für Reibung und für Zoff sorgt. Denn die Knäblein mit den Millionengagen sind ihm zu harmoniebedürftig, zu brav.

Beim Championsleagefinale gegen Chelsea vermisste er einen Kampfhund der Rassenmarke Jeremies, der vor dem Spiel die Parole ausgab, an mir kommt heute keiner vorbei in unseren Strafraum. Wir müssen dafür sorgen, dass da überhaupt keiner von den feindlichen Indianern hineinkommt, Männer.

Sammer ist genauso , denkt Hoeness, der nimmt nicht hin, dass uns Borussia Dortmund zur Nummer 2 degradiert. Sammer bekommt alle Vollmacht, darf überall reinreden, wird Vorstand, steht mit Uli Hoeness und Rummenigge auf einer Stufe, ganz oben in der Hierarchie, die bei Bayern naturgemäß keine flache sein kann.

Sammer soll's richten, dass man in Zukunft wieder vom FC Bayern redet wie von Real Madrid und den Königlichen.

Ein neuer Abschnitt in der glorreichen Geschichte des FC Bayern ist eingeleitet, die verwöhnten Bürschchen sollen sich auf etwas gefasst machen. Die Rede Lahms nach jedem Spiel, wir haben zwar verloren, aber waren die bessere Mannschaft hat ein Ende, denn solches Gerede nimmt Sammer nicht hin,. Wenn ihr besser wart, warum habt ihr nicht gewonnen?

Es wird härter werden in München, eisiger, denn der Erfolg muss stehen, darf keinem Zweifel mehr unterliegen. Feiern können sie in München ohnehin, das müssen sie nicht erst lernen wie die Schwaben, die zum Lachen in den Keller gehen müssen.

„Also, aufgeht's Buam, geht’s naus und spielt's Fußball“- (Franz Beckenbauer) .




2. Juli 2012-

Deutschland- hammerhart Deutschland im BILD bzw. in BILD -es ist beinahe dasselbe. Man weiß nicht was zuerst da war, das Land, das so hart war wie BILD, das Blatt, es sah oder die BILD, also die Zeitung, die das Land so schuf, so Tag für Tag enträtselte und wie ein Haustier seither am Gängelband hält. Denn es ist nicht zu bezweifeln, dass die Zeitung die Automatismen und Laufwege der Mentalität kennt, verstellt und hätschelt und zwar Pro und Contra. Wie geschickt und doch simpel diese Medienprofis das machen, wurde jetzt wieder klar, als in BILD mit der deutschen Nationalelf und Jogi Löw abgerechnet wurde, nachdem man sie am selben Ort davor in alle Himmelshöhen hinauf geschrieben und gelobt hatte.

Es geht mir hier nicht um die Urteile, die weder richtig noch falsch sind, sondern eben Ansichtssache. Was anderes aber ist, dass die BILD-Leute genau wissen, dass sie und wann sie polarisieren müssen. Um das Konsumenten-Volk wieder einmal in heillose Erregung und Kriegsstimmung zu versetzen. .


Die einen schrien empört. Das geht zu weit, so kann man mit unseren Jungs nicht umgehen. Sie haben nicht versagt sondern nur einmal eben schlecht gespielt,.was menschlich ist. Kein Mensch ist jeden Tag auf Knopfdruck in Höchstform. Auch ein Löw darf sich einmal irren, nachdem er vorher zu recht zu den besten Trainern der Welt gezählt wurde. Sicher auch von BILD, das gibt BILD auch jederzeit zu.


Die anderen aber stimmten voll überein mit BILD. Endlich sagt es jemand laut, was sie schon immer dachten. Die Elf das sind verweichlichte Millionäre, die keine einzige deutsche Tugend mehr im Leib haben, weder Kampfgeist noch Härte, noch einen Führer auf dem Feld akzeptierten. Einen Hund mit Ecken und Kanten. Also all die Dinge, die uns Deutsche groß und stark machten über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte. Nichts davon war zu sehen, eine Schande auch wie die uns Hymne nicht zu schmettern wussten. Da sah man schon alles, den ganzen Hühnerhaufen. Damit aber haben wir früher die Welt betört und in Schach gehalten. Weg mit dem Weichei LÖW, ganz recht, BILD hat wieder den goldenen Nagel getroffen.Und Bild, schlau wie eine Schlange, publiziert das alles, den ganzen Meinungsverhau semmelweich und eiskalt, wie man sagt.Bild macht aus seiner Mördergrube kein Wellnessbad, es outet sich als hammer-deutsch, klar und hart, sentimental und brutal. Bild muss nicht RECHT haben, nur die zwei Rechthaber der Nation zu Wort kommen lassen. Pro und Contra, rechts und links, beinhart und stink-liberal.Das ist Deutschland, das ist Fußball. Das sind wir, wir sind eh schon immer Papst.



20.6. Die ARD- Gewaltigen


Man weiß ja nicht, was die oberste Klasse der ARD-Gewaltigen das ganze Jahr über treibt und tut. Man weiß: Sie verfügen über schöne komfortable Büroetagen, attraktives Begleit - und Dienstpersonal, große teure Dienstwägen, Riesengehälter und entsprechende Pensionen.

Das alles muss der Neid ihnen doch lassen,was aber tun sie eigentlich? Diese Frage stellt sich der lesende und auch fern-sehende Arbeiter immer wieder. Man weiß es nicht.

Jetzt aber haben sie etwas verlautbart und zwar Kritik an ihren Lieblingen und Talkshowgrößen wie Maischberger, Jauch, Plasberg und sofort, bis Anne Will und Beckmann.

Diese Lieblinge bekamen jetzt Noten. Die Besten: Beckmann, Anne Will und Plasberg. Sandra hegt zu viele Spleens für Freaks und ARD- non-konformes Gästepublikum. Bei ihr geben sich sogar Huren und Kabarettisten häufig die Klinke in die Hand. Das missfällt sowohl den Kirchenvätern der Medien als auch vielen Ehefrauen der ARD-Direktoren.


Sie haben herausgefunden durch aufwendige Studien, die sie für viel Steuer-und Gebührenzahlergeld in Auftrag gaben, was jedermann ohne wiss. Qualifikation schon immer gewusst hat. Diese Talkgrößen laden immerzu dieselben Leute ein, also die Proletenbaronin Ditfurth für den möglichen Folgestunk bei BILD, den unverwüstlich und schelmisch lächelnden Geißler, den Scholl Latour, den die Leute furchtbar lieben, den Karl Lauterbach, den greinenden SPD Arzt, den Jörges, der fast allen Leuten mit seinen radikalen Sprüchen schrecklich auf die Nerven fällt, die Wagenknecht, weil sie so schön frisiert ist wie ein Bürgfräulein und soweiter und sofort. Also man müsste auch mal jüngere Leute einladen zum Chillen und Herumlabern, meinen die ARD Gewaltigen, nachdem sie ihre wissenschaftlichen Studien ausgewertet haben in langen Konferenzsitzungen an irgendeinem der schönsten Fleckchen der Erde. Denn dort denkt es sich einfach besser.


Tja und einige kühlten ihr Mütchen an Jauch, der sei nicht so gut wie der Plasberg und der Beckmann, der Jauch besitze zu viel an eigener Meinung. In Wahrheit ärgern sie sich über ihn, weil er soviel Geld will für seine lockere Art, den Leuten bübisch zwinkernd dazwischen zu funken.


Das wars schon, die ganze Notenkonferenz: Plasberg und Beckmann bekamen die 1, die Maischberger und die Will die 2, Jauch aber 4 minus. Also werden wir ein paar jüngere Leutchen sehen als Gäste demnächst.

Und in einem Jahr werden sie – wetten dass?- nach einer neuen Studie, die sicher schon in Auftrag gegeben wurde, herausfinden, dass man zu wenig zusammenhängende Sätze sprechen darf in den Talkshows, ohne gleich wieder von einem Einspieler oder einer Umfrage im Studio unterbrochen zu

werden. Der Satz: „jetzt lassen sie mich auch einmal ausreden, ich höre ihnen ja auch immerzu zu“ , gellt den Leuten inzwischen schon in den Ohren. Niemand will ihn mehr hören.

Überhaupt wird man in einigen Jahren wissenschaftlicher Analysen, die bekanntlich nicht billig sind, herausfinden, dass die Kraft der Argumentation gegenüber der rein emotionalen Aussageform ins Hintertreffen geraten ist durch den Zuspruch der Leute, die ja bekanntlich auch im Studio regelmäßig an den falschen Stellen in Beifallsstürme ausbrechen.


Also das Ganze müssen die ARD- Gewaltigen noch einmal tief überdenken, das können sie ja in aller Ruhe, es wird ihnen ja mit viel Geld für jeden Gedanken reichlich gedankt. Getränke, Hotel, reichlich Spesen, alles inklusive.


Jetzt aber werden sie alle erst einmal bis September, wenn sie ihre Lounges neu eröffnen, die nächsten Monate ihre neuen Urlaubsziele ausprobieren und genießen. Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Die Sommerhits für die Hart IV Gesellschaft liegen bereits vor-produziert auf Halde, also unter Dach und Fach.

Es sind diesmal - soviel sei schon verraten- auch ein paar freizügige Sex- Knaller darunter.




Authentisch

Ist ein  Modewort, das allmählich in den Ohren schmerzt. Überall hört man es, im Radio, in den Zeitungen, im Fernsehen, auf den websites im Internet, sodass der Verdacht wächst, dass das hartnäckig und inflationär Behauptete, das Echte nämlich,  womöglich gar nicht mehr vorhanden ist, und gerade jenen mangelt, die unablässig mit dem Wörtchen überall  hausieren gehen.-

Jeder, der seine bedeutungsvolle Sache oder ein Urteil des größten Wertes von sich geben möchte, benutzt immerzu das Fremdwort. Es firmiert als das Gütesiegel Nummer 1-  manchmal kommt es sogar  gesteigert zur Geltung: „authentischer“. Als könnte man noch echter als echt, noch origineller als originell, noch realer als eben bloß real sein.

Es ist naturgemäß ein Unfug, den sie treiben mit dem Wort, es soll eine Blöße verdecken, eine Unfähigkeit der Beschreibung, eine Unsicherheit des Urteils. Es tarnt häufig  etwas zutiefst Fragwürdiges, das aber  zu Höchstpreisen angepriesen und verscherbelt werden soll. Instinktiv greife ich deshalb, sobald das Wörtchen ertönt, nach meiner Brieftasche, auf die sie es abgesehen haben mit dem Wörtchen. 

Das Bazar -People nimmt überhand, die Verkäufer und Händler verderben und verdrecken immer mehr die Umgangs-Sprache.

Seid authentisch, rufen die Prediger der Kultur-Kaufhäuser, die Medienredakteure allen voran, und bei jeder Gelegenheit den Leuten nach. Als könnten die Passanten und Konsumenten  etwas anderes sein wollen als eben so echt wie möglich. Klar,  mancher, ich schätze jeder zweite, ahmt einen anderen nach,  verbirgt seine hauseigene, meist unbedeutende Maske hinter einem internationalen Idol, das ihn, wie ein Pferd das Fuhrwerk, durch alle Gassen zieht. Allen voran diejenigen, die sich so klug wähnen, weil sie das Mode-Wort authentisch, das sie häufig bloß gehört haben, nachsprechen bei jeder Gelegenheit. Es ist wie mit den Weinkennern, die über Nacht aus dem Kartoffel- und Bierboden schossen wie eine Armee von Missionaren, die die Massen mit edelsten Tropfen aus Eichenholzfässern  bekehren wollten. Unglaublich welche Vorträge ich mir plötzlich von Leuten anhören konnte, die gestern noch keinen Edelzwicker von einem Bocksbeutel unterscheiden konnten.  

 Das Wort authentisch ist inzwischen ein untrügliches Zeichen für Geschwätzigkeit und Ersatzwaren, manchmal soll es auch nur das abgemagerte, sterbenskranke Wörtchen „realistisch“ vertreten. Es ist ähnlich wie mit dem Wort professionell, das den echten Profis selbstverständlich, kaum erwähnenswert scheint, der übergroßen Laienschar aber bekömmlich vorkommt wie das schönste Epitheton.. Wenn sie es nur oft genug herausheben aus ihrem Alltagsgerede, könnte es diese sogar ziemlich erhöhen, glauben sie, die scheinbar Professionellen, die Authentischen, die Innovativen. Auch letzteres ein täglich geschändetes und missbrauchtes Adjektiv.

Wer will nicht alles innovativ sein, im Internet, jeder Schuster um die Ecke, jeder Tandler beansprucht inzwischen für sich unerhörte Schöpfer- und Entdeckerkräfte. Ein merkwürdiger Karneval der falschen Etiketten und Ansprüche, in denen wir da inzwischen festsitzen, sprachlos, ausgewurzelt, blinzelnd und vom stinknormalen Größenwahn gezeichnet. 

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Schwäbische Feschtredner

wie oft habe ich ihnen zugehört schon. Sie haben wohl nie den Verdacht, sie könnten es an Originalität des Gedankens fehlen lassen.

Ein Landrat nach dem anderen, der Bürgermeister noch dazu, der Professor von der Uni und der Vorsitzende der OEW - dazwischen irgendetwas Klassisches halt. Klavier und so. Am beschten Bäthoven.

Alle reden sie denselben Ehrenkäs und danken einander endlos, sie wiederholen und wiederholen ihr Behagen im Amt und finden kein Ende.

Warum engagieren Sie keinen professionellen Redenschreiber ? Aus Geiz natürlich, "der koscht ja was".

Aber auch aus Selbstzufriedenheit, denn sie halten sich alle für geborene Redner.

Sie sind aber leider nur Langweiler.

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7.5. Wirklich ist nur, was immer ist

Alle Welt tut so, als wüsste sie genau Bescheid, als wären die Tatsachen gesichert. Als käme mit der Virtualität bei Twitter und überhaupt im Internet eine neue Wirklichkeits - Dimension dazu, die alles bisherige Denken und Meinen umstürzte, nichtig mache, obsolet.

Unwillkürlich denke ich selber oft so. Dann wieder die Mahnung: Wirklich ist nur, was immer ist, wie der Philosoph sagt. Und tatsächlich gibt es viele Dinge im Jetzt zu sehen, die immer schon da waren, immer schon galten. Konzentriere dich doch ganz darauf.

Das Gerede vom allen Grund stürzenden Wandel, von Entwicklung, von veränderter Welt gab es auch immer schon und es zeigte sich später, es waren nur die Vorzeichen, nur der Glaube und seine Form, die sich änderten.

Man kniete nicht mehr so viel, betete nicht mehr, sondern brachte seine Zeit statt in den Kirchenbänken auf den Plastikstühlen in Laboren zu. In Laboren der Zukunft, wie es hieß. Man untersuchte die Gegenstände mit neuen high-technischen Apparaturen, man ist überhaupt high jetzt immer, auch die Gesundheit und die Körper sieht man technisch viel genauer. Der Sexus kam unter die schärfste Lupe, das beruhigt die Leute auch heute am meisten, das Wissen vom Sexus.

Dabei hat Henry Miller so viel schon dazu geschrieben und erkannt.

Nein, jetzt heißt es Ruhe bewahren, den Stillstand pflegen.

Nichts mehr, nur jedes zweite Wort zulassen, um eines Tages das Schweigen ganz und gar zu erlernen. Denn am Ende wirst du ganz und gar in einen Ozean des Schweigens eintauchen. Nimm diesen Zustand vorweg, übe, bitte für ihn . Während du redest, ringe stärker jedes Wort diesem Widerstand des kommenden Ozeans ab.

Er ist schon zu hören. Lausch' seiner unheimlich schönen Musik.

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