wer das Sagen hat, muss frei reden können

wer das Sagen hat, muss frei reden können

REDEN 


ist gold nur, wenn es  im Revers des Schweigens sitzt, das dem Redner unaufhörlich  souffliert. 


Ein gewaltiger Imageschaden entsteht für all diejenigen, die reden ohne ein Talent dafür zu haben. Die glauben, der Inhalt macht' s nackt allein. Und schon legen sie los, hemdsärmelig wie Gott sie schuf anscheinend, fuchtelnd mit den Händen, die übelsten Phrasen gleich in den Eingang abstellend. Triefend von Moral wie oft unsere Claudia Roth. Im Singsang: Lirumlarum. Sich dem Publikum andienend mit der Offerte, es einfach und ganz kurz zu machen, um dann doch sogleich ins Uferlose abzuschweifen. Nur so viel noch "ehrlich gesagt", sagen sie unredlich, wie sie sind und nur sein können.  Weil viel reden kann jeder, eben - schon  verraten sie 's selbst ihr Nihil und merken es nicht. Reden heißt eben nicht schwätzen wollen. Der Kürze die genau bemessene Länge verleihen. Das Schweigen darin mit Worten aufladen. Das ist das Einfache, das schwer zu machen ist. Doch wem's gelingt, der tritt im Glanze hervor.






Entwurf, Gedanken für eine Rede zum Thema


"Deutschland in Not"



...sie werden mit der anwachsenden Flüchtlingsnot nicht fertig. Deutschland gespalten. Die einen schließen sich den Protestmärschen zu den Flüchtlings-Unterkünften an, die anderen zeigen Herz und Mitgefühl und mühen sich ehrenamtlich, das Elend zu lindern. Die Opposition spricht indes weiterhin von Utopien. Ihr Grundton: "Wir sind so reich, wir müssen uns das leisten können, angesichts unserer Schande noch immer." Die Realpolitiker argumentieren indes ununterbrochen, die Talkmeisterinnen, sie laden ein zum Problemgespräch. Die Polizei wäscht sich die Hände wie Pilatus einst und fragt sich wie dieser verblüfft: "Was ist Wahrheit?“ Stimmt, was zählt sie schon bei Lichte, im Kampf der pressure groups? Manche fragen ungeschminkt, denn man wird noch fragen dürfen, haben die Einheimischen oder sagen wir es ganz korrekt: die hier Geborenen nicht auch ein Vorrecht, hier zu leben? Muss auf sie nicht eine besondere Rücksicht genommen werden? Diese Frage gilt als postfaschistisch, im Keim nationalistisch, eine kollektive Regression. Die Psychiater im Studio nehmen die Brille ab und nicken bedächtig. . Die Kommentatoren der großen Blätter und Sender reden sich die Köpfe heiß an dieser Frage? Auch die andere Frage: kann man eine ganze Mentalität, die tödlich erkrankt ist, jemals heilen? Man wird sehen, man wird abwarten müssen, wie sich die Migranten und Flüchtlinge entwickeln in der offiziell ja noch offenen Gesellschaft, wie Sir Karl Popper sie für uns gedacht hat. Er hat auch gesagt, an der Grenze zur Toleranz tobt die Erbsünde der Intoleranz, die sollten wir nicht hereinlassen. So hat er es natürlich nicht gesagt, Popper kennt keine Sünden, nur Verbrechen und Organisationsfehler, es ist meine Version seines Verdiktes, welches im wissenschaftlichen Kleid hier her zu zitieren, ich nicht für angemessen hielt, besonders im Blick auf meine User. Poppers strenge Prosa zu poetisieren und mit Beispielen zu illustrieren, ist geradezu ein Hobby für mich geworden. Er ist der legitimste ( ich weiß diese Steigerung verbietet sich im Deutschen, dennoch:) er ist der beste Wächter der offenen Gesellschaft. Ich frage ihn immer, was er zu den Umständen heute sagte, kehrte er nur für Augenblicke zu uns zurück. Und er antwortet mir stets nach kurzer Bedenkzeit.

Radikales Gelichter, das den Bürgerkrieg anzetteln möchte, muss natürlich besonnen und mit Augenmaß abgewehrt werden, wie alle Popperianer sagen. Das sagen selbst unsere Bürovorstände der Vernunft. Sozusagen. Nota bene: Der verwalteten Vernunft, natürlich.

Die Marktführer und politischen PR-Leute wollen zwanghaft die Leidenschaften in der Debatte raushalten, die so immer mehr zum Geschrei verkommt..Kritik bringt nichts, interessiert keine Sau, sagen sie apodiktisch. Umfragen eindeutig, glasklar. Freundlichkeit, ein Lächeln in der Rede, ein Zugeständnis: jeder Mensch Mann irrt, oft sogar oft. . That’s the message. Doch man wird die Temperamente und die originalen Autodidakten auf Dauer nicht ausgrenzen können. Natürlich, die reinen Schreihälse sind nie ganz wegzudenken. Sie sind die Last, die die Klügeren schon immer tragen mussten. "Keine Frage", sagen sie immer öfter, meine Zeitgenossen.
Also gut, ich gebe zu: Es bleibt viel zu tun, auch was Toleranz angeht und die Aufmerksamkeit nach innen. Wie geht es im Saarland? Atmet die Innnenstadt Bremens noch immer so beschwingt wie noch vor Jahren immer? Wie fühlt sich der DursT/schnitt, welche Wünsche hat er, welche Musik hört er gerne? Ist er für oder eher gegen Minarette? Google weiß das vermutlich als erstes. Facebook sicher auch und die ganzen neuen Götterschaften.

Doch schauen wir auf den Grund der Tatsachen: Der Automarkt und übrigens auch der Sexmarkt boomen kontinuierlich. Trotz allem. Erst gestern haben Audi, Siemens, Bertelsmann und Beate Uhse wieder Rekordzahlen vorgelegt. Alles klar, obschon es auch unerklärlich bleibt




Wer kann, wer sollte reden?



Die meisten Menschen in Deutschland verbinden mit Reden und Rednern schlechte Erinnerungen, sie winken gleich ab, kommen extra zu spät,wenn sie wissen, dass am Eingang eines Ereignisses jemand Wichtiges  eine Rede hält. Das kann nur wieder langweilig werden. Warum ist das so? Es liegt an den Phrasen, die immer dieselben sind und wie leere Versprechungen von Sparkassenpräsidenten klingen. Es liegt an den schiefen Bildern, an der schrecklichen Körperhaltung und an den meist ungelenken Gesten und Bewegungen derer, die da aufzutreten pflegen. Sie bräuchten dringend einen Coach. Aber dazu sind sie zu stolz, zu eitel und zu eingebildet. Denn die schlechtesten Redner zeichnet aus, dass sie fest glauben, sie seien die Besten. Außerdem ahnen  sie nicht,welches miserable Image sie sich mit ihren  Auftritten einhandeln. 




"Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge"

Arthur Schopenhauer


Die freie Rede


frei reden heißt in einer tieferen Traditionsschicht auch: ehrlich, wahrhaftig sein, gerade dort, wo frei gesprochen werden soll. Jeder erinnert sich an mindestens eine Filmszene, wo der Protagonist die Fenster und Türen schließt, um nach einer gravierenden Pause plötzlich herauszubrechen. „Kann ich frei reden?“ Eine Urszene, es ist die eine Richtung, von der die freie Rede bis zur Beichte, bis zum Geständnis reichen kann.

Doch die freie Rede im rein-rhetorischen, technischen Sinn meint etwas anderes. Sie versteht sich, unabhängig von jedem Inhalt, auf die Macht des Auftritts, wo Wort und Geste, Mimik und Dynamik, Rhythmus im Wortfluss und gedämpfte, gesteigerte Begeisterung des Redners für sein Thema zu einer einzigen Solo-Leistung sich bündeln. Steigerung und Dehnung des Tempos, Tonfälle, die aus der Reihe tanzen und wieder dahin zurückfinden, Wiederholungen und Variationen dieser Wiederholungen, all das gehört zur freien Rede, zur Souveränität des Redners über sein Thema. Mit diesem scheint er willkürlich wie regelgerecht zu verfahren. Überraschung und ihr Gegenteil, als Sicherheit und Wohlbegründetheit der Aussagen, wechseln sich ab. Eine Rede ist nur das Hauptmoment eines freien Auftritts, also ein Ereignis. Anders zählt sie nicht, sie gilt nicht als reiner Text. Sie ist an die Freiheit einer bestimmten Person, die jener gewachsen, die mit jener sogar zu spielen versteht, fest gebunden.

Das alles lernt man am besten bei Friedrich Schiller, dem Dramatiker und Rhetoriker. In seinen Dialogen bringt die Situation und die Stimmung darin die härtesten Argumente plötzlich ins Schwanken. Seine schwärmerischen Figuren rühren bis heute das Publikum, wenn sie klarer Kontrast bleiben zu den Verstandesriesen, die die Staatsmaschine lenken wollen. Das missglückt, aber nicht wegen der Schwärmer, sie sind nur Beiwerk, sondern aus Leistungsfehlern menschlicher Logik. Diese, streng genommen, ist dem Leben nirgends adäquat. Sie wirkt dysfunktional mitten im Dasein. Eine stille Katastrophe der Aufklärung, die das mythische Sein überwinden wollte.

Dieses Unglück aber erklärt Schiller nicht, er drückt sie mit rein-rhetorischen Regeln und Finten aus.

Stimmung und Wort, Grund und Zierde, Gesten, die aus rhetorischen Setzungen hervorgehen, Sprache ist alles, Körpersprache, Mienensprache, Fechtersprache, redendes Schweigen.


Zur freien Rede braucht man handwerkliche Kunst und einen unabhängigen Geist. Lohnabhängige oder überhaupt Abhängige und Angestellte sollten sich also in der Kunst nicht versuchen. Sie rutschen nur aus. In der Rede fliegt immer auf, wie frei jemand ist und wie ungebunden er reden kann.

Die größten Redner und Talente nehmen sich nicht selten die Freiheit, die Idee der Freiheit selbst vor, von der sie naturgemäß dann frei reden wollen. Das aber glückt in jedem Jahrhundert höchstens ein- oder zweimal.

Das ist zu bedauern und erhebt zugleich die Herzen des Publikums




Entwurf einer Rede


(Erste Notizen und Gedanken.)

Ich soll eine Abschiedsrede für einen Mediziner verfassen, der über 30 Jahre lang erfolgreich als Oberarzt und Operateur an einer Klinik arbeitete und jetzt gehen muss, da er das Pensionsalter deutlich überschritten hat. Normalerweise ist das kein Problem, man erfindet elegante Formeln des Dankes an Kollegen und Mitarbeiter, lobt noch einmal in dezenter Weise die Geschäftsleitung und plaudert ein bisschen aus der Erfahrungstasche.

Schön, an dieser Stelle machte sich ein Bonmot sehr gut, eine kleine Humoreinlage, dass das Auditorium erst einmal lachen darf, bevor der Redner dann zu einem besinnlichen Rückblick auf die Jahre der gemeinsamen Arbeit mit Kollegen und Patienten anhebt. Hier könnte die Reflexion auf die tiefere Erfahrung im Beruf von einer glücklichen Begegnung mit einem Patienten erzählen, in einer merkwürdigen Anekdote gipfeln. Ein Erzählmoment trüge Heiterkeit in die anschließende Überlegung, die aus der Anekdote hervorgeht.

(Jetzt eine kleine Pause. )

Perspektivenwechsel auf eine mögliche Innovation, eine Strukturverbesserung für den

Modus operandi oder ähnliches.

Der Redner geht nicht in den Ruhestand, ohne einen letzten Vorschlag zu machen, wie man das Potential der Klinik im ganzen noch besser, noch weiter ausschöpfen könnte. Denn, sagt er, wer Arzt mit Leidenschaft ist, kann nie aufhören Arzt zu sein. Er stirbt zuletzt noch in seiner Berufung.

Der tiefste, schier theologische Punkt der Rede.



Jetzt erfrischte ein Aphorismus über die Heilkunst die Atmosphäre am besten. Ein alter origineller Satz des Paracelsus, Montaignes, Shakespeares. Damit ruft der Redner nämlich erhabene Geister hinter sich. (Pause.)Jetzt darf er plaudern, persönlich werden, aber nie jovial. Undsoweiter, hier fände sich leicht ein Abschwung zum Schluss.

Doch mein Redner ist ein halber Patient. Nach dreißig erfolgreichen Jahren an der Klinik wurde er in den letzten zwei Jahren immer mehr isoliert. Die Geschäftsführung machte eine Andeutung darüber, ob er für die Patienten nicht allmählich zu alt wäre. Kurz der Redner kam in ein Dunkel, in eine düstere Atmosphäre und fühlte sich nicht mehr wohl. Kollegen, die ihm zuvor vertraut waren, mieden ihn plötzlich, als habe er eine tödliche geheime Krankheit, von der er als einziger nichts wusste. Was hatten sie plötzlich alle gegen ihn, was warf man ihm vor. Er wartete darauf, dass ihm das eines Tages gesagt würde. Aber nichts, Schweigen. Wie soll er nun eine Abschiedsrede halten, so tun als ob alles völlig normal schließlich verlaufen wäre, verdrängen, nochmal vertuschen, was die anderen die letzten zwei Jahre schon vertuschten? Nein, das sollte er nicht tun, er muss diese dunkle Sache ansprechen, aber wie? Auf keinen Fall darf er die Rolle des Beleidigten auch nur andeuten, auch die Figuren Rächer, Ankläger, Kritiker dürfen überhaupt nicht in Erscheinung treten. Ich muss in Worten und im Tonfall eine Gelassenheit erzeugen, aus der heraus er dann immer wieder auf dieses Dunkel zu sprechen kommt. Er spekuliert über mögliche Gründe, Missgunst tritt oft aus verborgenen Quellen des Neides hervor. Jeder ist ja nicht Herr, sondern eher Gefangener seines Charakters. Das erleben wir ja oft,sagt er jetzt beinahe großzügig, seine größere Erfahrung mit allen zu teilen, Konsens herzustellen im Auditorium. Er hat sein Unbehagen, seine trübe Befindlichkeit in den letzten zwei Jahren jetzt deutlich gemacht.

Seine Souveränität besteht jetzt in der Kürze, mit der er diese dunkle Materie abschließt. Das ist die schwierigste Klippe für mich als Redenschreiber und Rhetoriker. Hier muss ich ein Zitat finden, das so zweideutig wie nur möglich ist. Wahrscheinlich finde ich es wieder bei Jerzy Lec, dem genialen Polen oder bei dem Philosophen aus Kolumbien.

Von da ab wird’s leicht. Jetzt kann ich gute Laune verbreiten. Die Zukunft im Ruhestand, der natürlich keiner ist. Der Oberarzt hat bereits bei einer Privatpraxis angedockt, dort wird er in Zukunft weniger aber weiterhin Patienten betreuen und operieren. Von wegen zu alt, hier noch ein kleiner Schlenker zum Jugendwahn, dann gute Wünsche für die Kollegen und die ganze Klinik.

Das war`s? Nein, noch ein letztes Zitat vielleicht von Franz Schubert, der einmal sinngemäß sagte: Was sollen wir mit dem Glück anfangen, wo wir doch alle Reize aus dem Unglück bekommen.








Wer das Sagen hat, muss frei reden können.


Frei reden - am besten.



Er darf seine Zuhörer nicht mit abgedroschenen Phrasen langweilen. Sonst nützen die glänzendsten Image-Broschüren nichts mehr, wenn die Führungskraft nicht überzeugend auftreten kann.
Dazu gehört ein gewisses Maß an Eloquenz, Sprachwitz, Lebendigkeit der Rede und eine der Person entsprechende Körpersprache.


Jetzt werden wieder einige sagen,was heißt denn da Lebendigkeit der Rede? Kann man das messen, lernen, objektiv beurteilen? Natürlich, wenn einer im immergleichen Tempo redet, dann müssen seine Inhalte schon topaktuell sein, will man ihm bei aller Anstrengung, die das kostet, noch folgen. Oder ein Redner, -wie oft habe ich es schon erlebt und bin davon gelaufen, verfällt nach zwei Sätzen in einen elenden Singsang, betont alles falsch wie Frau Maischberger vom Fernsehen, verschläft seine willkürlichen Pausen, sodass die schönste Stimme zu nichts mehr gut ist,- dann kann von Lebendigkeit tatsächlich keine Rede sein.
Dann hat ein Funktionszombi das Wort, das keine sinnvolle Wirkung erreicht.


Viele der Führungskräfte hören sich gerne reden, sind drin in ihrem Thema und werden nicht satt dabei, die Wichtigkeit ihrer Firma, ihres Anliegens und ihrer Person zu betonen und zu übertreiben. Alle Superlative und Schlagwörter der Saison werden für sich in Anspruch genommen. Man ist innovativ, arbeitet effizient, liebt und pflegt den Kunden, hat mit seiner kleinen Firma bereits die Pole- Position erreicht und lädt jeden freimütig dazu ein, auf seine großartige „Augenhöhen“ zu kommen.


Das wirkt aufdringlich, unglaubwürdig und humorlos.
In diesem Fall ist immer weniger mehr.


Bei guten und exzellenten Rednern hingegen schaut niemand auf die Uhr, die Hörer gewinnen an der kompliziertesten Materie größtes Vergnügen. Man ist von Anfang an in medias res, denn man weiß sofort, wohin die Reise geht. Der Redner bestimmt sein Ziel, seine Absicht und verwandelt diese im Handumdrehen in sein Thema.


Temperament, Rhythmus, Abwechslung, Humor und Gestik wie die ganze Körpersprache stimmen überein, die Rede wird zum Fest.

Der Redner geht mit vermehrtem Ansehen von dannen.

Sein guter Ruf ziert seine Existenz.




Glanz, Kunst und Elend der Redner


Beim Verband deutscher Redenschreiber (vrds), dem ich übrigens angehöre, lese ich heute: „Rede, Auftreten und Wortwahl sagen viel über den Redner selbst aus. Sich ausdrücken zu können, wird immer mehr zu einer existenziellen Frage.“

Wahrlich gut gebrüllt, es stimmt. Die meisten Redner ahnen nicht,was sie sich antun mit ihren holzgeschnitzten, plumpen Auftritten. Eine gute wirkungsvolle Rede dagegen ist die beste Investition in ein gutes, tragfähiges Image. Insofern zielt die gute Rednerwirkung mit ihren Folgen tatsächlich ins Existenzielle.


Apropos Fernsehen


Das gilt auch fürs Fernsehen, das seit der Flut von Talkshows immer mehr einem öffentlichen Casting durch das Quotenpublikum Raum gibt.

Staat, Sport, Wirtschaft, Kultur zeigen immerzu dieselben Gesichter, oft bis zum Überdruss. Doch ist bald klar, wer das Rennen macht und durch seine geglückten Auftritte in die oberste Galerie der Prominenz aufsteigt.

So errang der Abgeordnete Bosbach durch seine humorvoll-ironischen und verständlichen Statements eine Popularität, die er als bloßer Bundestagsredner niemals hätte erreichen können. Er weiß, dass das Fernsehen eine enorme emotionale Wirkung hat, im erfreulichen wie im verdrießlichen Sinne. Er gibt sich streitbar, klar in seiner Überzeugung, aber nie rechthaberisch, nie zänkisch und eifernd. Er steht für die rheinische Lebensart, „es ist noch immer gut gegangen“,doch übertreibt er auch darin nicht. Er hält sich und nimmt sich an entscheidender Stelle zurück, etwa wenn er einer gegnerischen Position genau zuhört und sie so klar wiedergibt, dass sein Widerpart jetzt sogar besser verstanden werden kann. Dann legt er möglichst kurz und in anschaulicher Weise seine Gegenargumente auf den Tisch.

Ganz anders der grüne Trittin, der sich durch seine hochnäsige Thesenschwingerei, die er stets von weit oben herab zelebriert, keinen Gefallen tut. Er wirkt überheblich, hämisch und körper-sprachlich verklemmt. Er spricht ausschließlich pro domo, zeigt nie deutlich genug, dass er außerhalb seiner Parteizugehörigkeit auch noch ein anderer Mensch sein könnte. Außerdem sind seine Beiträge wie bei fast allen Grünen immer viel zu lang. Sie finden kein Ende, sie haben gerade eben wieder die Weisheit mit dem ganz großen Löffel zu sich genommen.


Am leichtesten tun sich in aller Regel die Alten, also Scholl-Latour, Helmut Schmidt und Dieter Kürten. Sie beschwören durch ihren bekannten Stil eine bessere alte Zeit, in der Kompetenz noch außerhalb der Castingregeln erworben werden musste. Sie vertrauen dem, was sie zu sagen haben, dehnen es nicht maßlos aus, sie wiederholen sich nicht ständig, sie kennen noch das Sprichwort: „in der Kürze..


Ganz wichtig ist auch die Distanz zum Medium, man gehört ihm nicht an, man ist nur Gast und verhält sich auch so anderen Gästen gegenüber. Natürlich gehört es zur absoluten Meisterschaft, wenn der einzelne Gast es versteht, die anderen Gäste einzeln und im ganzen in seiner Rede zu spiegeln.

Laute Angriffe hingegen zerstören im Fernsehen oft das Klima grundsätzlichen Einverständnisses, des gesellschaftlichen Konsens, dass alles, bis auf ein bestimmtes oder jenes Problem, im Grunde auf Ordnung und Wohlwollen beruht.


Diese Tonart verlässt selbst ein Lafontaine nicht, der auf scharfe Kontroverse angelegt ist, weil er sich außerhalb des bürgerlichen Mitte-Milieus begeben hat. Er weiß, dass dieser verlorene Posten die schlechteste Resonanz hat, aber er weiß auch, welche Reize sein Außenseitertum für bürgerliche Menschen hat, die sich bei ihrem Rechthaben leer und unwohl fühlen und sein ständiges Lob des gesunden Menschenverstandes lieben. Denn dieser mittlere, alte Verstand ist weitaus beliebter als alles fremdwörterdeutsche Experten- und Technokratentum.

Deshalb leitet er seine Kontroversen gern mit den Worten ein: „ es ist doch vollkommen irre“ Das heißt, entweder der Gegner lügt oder er ist dumm und abhängig. Denn sonst müsste er seinen Irrtum längst selbst erkennen. Hier erzählt sein Pathos etwas von seiner Verzweiflung, es ständig und überall mit dümmeren Leuten zu tun haben zu müssen.


Immer wieder wird er eingeladen, weil er Farbe in die grauen Materien bringt, weil er Temperament hat und Maß hält, nie ausfällig wird.

Eine hohe Kunst. Schade, dass er dieser fürchterlich engherzigen und spießbürgerlichen Partei angehört, die ihm nur schaden, welcher er aber nur nützen kann. Andererseits, wohin soll er sonst, ganz ins Private? Denn die SPD ist ihm zu opportunistisch, zu lau und zu kleinkariert. So wie sie meistens war.

Das auch, die leidvolle, mediokre Geschichte der SPD erkennen wir in Lafontains

politischer Apostasie auch besser denn je.

Das Reale büßt durch sein treffendes Wort selbst im Fernsehen etwas von seiner Scheinheiligkeit und Inszeniertheit ein.

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Reden- ist das ein Können?




Wie macht er das? Der Redner? Wie kann man das können, was doch eine Naturbegabung ist?



Das ist der alte Aberglaube, der viel verhindert.


Jeder, auch der beste, begabteste Redner,

kann sich immer noch verbessern.

Auch er ist nicht vollkommen von Natur aus.


Ein geglückter Auftritt verbessert  Image, Nimbus und  Persönlichkeitswert.



Eine missglückte, langweilige Rede aber schadet sehr, nicht nur dem Redner, sondern leider  auch der Sache, für die er einstehen wollte.



Jeder kennt  das, manche kommen absichtlich etwas später zum Termin, weil sie die Sonntagsphrasen fürchten.  


Die langweiligen Lügen der immergleichen Lobhudelei verderben ihnen die Stimmung.



Sparen Sie deshalb nicht an der falschen Stelle.  Leisten Sie sich eine Beratung bzw.  ein Rhetorik Coaching.




Es verbessert auf Anhieb ihren Auftritt,

veredelt das Image der Firma und bringt Sie auch persönlich nach vorne.

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